Willkommen zu einem kurzen Jahresrückblick. Monat für Monat lasse ich das Jahr 2022 nochmal an mir vorbeiziehen und nehme dich dabei mit. Es geht um Kunst, Wasser, Familie, Reisen und Kunst. Los geht´s!

Das Jahr 2022 begann für mich in meinem Lieblingsort in Deutschland: Ahrenshoop auf dem Darß. Und am 1. Januar auch gleich mit dem ersten Highlight des Jahres: mit „Anbaden“ in der Ostsee! Ich, die immer Angst (ist es Angst? …oder eher Unfähigkeit zur Selbstüberwindung? …oder was?) vor kaltem Wasser gehabt hatte, habe im Herbst 2021 nicht aufgehört, in der Natur zu schwimmen. Es war einfach zu schön. Und so habe ich es immer weiter gemacht – bis mit irgendwann die Schneeflocken um die Ohren flogen. Und so habe ich dann das offizielle Anbaden in Prerow mitgemacht. Grandios! Dieses Schwimmen in eiskaltem Wasser ist so viel mehr als nur schwimmen…aber zu viel, um es hier zu beschreiben. Denn der Rückblick hier soll ja noch eine halbwegs normale Länge behalten.

Also. Noch mal: Der Januar begann quasi in der kalten Ostsee, mit enormen Glücksgefühlen und der Ahnung, dass in diesem Jahr viel möglich sein könnte. Was dann ja auch so kam. Denn gleich auch im Januar kündigte ich meine Festanstellung in der renommierten „Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung“ in Hannover, bei der ich zuständig war für den Sprachenbereich ganz Niedersachsens. Ein riesiger Schritt, denn diese Arbeit bereitete mir Freude, gab mir Sicherheit und machte mich stolz. Aber sie nahm mir auch Zeit weg von der Kunst – und so wagte ich, zwar mit zittrigen Knien aber auch großer Vorfreude, diesen Schritt.

Assemblage, Ein Tag am Strand, Ahrenshoop, Fundstücke, Glas, Plastik, Steine, Muscheln, Details, Wandel

Die Trennung von meiner Festanstellung vollzog sich erstaunlich glatt, ab 1. Februar war ich pllötzlich Vollzeit-Künstlerin. Puh, mir wurde fast schwindelig ob der Geschwindigkeit. Ein wenig angstbesetzt war dieser Schritt auch, aber gleichzeitig fühlte er sich so gut an, so richtig. Der Februar war dadurch dann ein Monat des Sich-Sortierens und -Organisierens, des Hineinfindens in einen neuen Weg und Tagesablauf. Der Beginn des Krieges in der Ukraine hat mich, gerade in dieser Phase, tief erschüttert und verängstigt. Wie musste es erst Anderen gehen… Es geriet dadurch so einiges ins Wanken, denn auch Sinn und Zweck des Kunstschaffens zog ich plötzlich in Zweifel. Aber es stellte sich schnell heraus: keine Kunst zu machen ist auch keine Alternative. Denn wenn wir das wirklich täten, das Kunstschaffen einstellen, dann hätte der Krieg schon über uns gewonnen.

Im Februar begann ich auch wieder Workshops zu geben und gleich alle beide, die ich angeboten hatte, fanden auch statt – ein gutes Gefühl.

Im März habe ich die „Eisbär-Challenge Gold“ fertig absolviert. Sie besagte, dass ich von November bis März jeden Monat mindestens einen Kilometer in der Natur geschwommen bin, ohne Neopren, nur im Badeanzug…maximal ;-). Davon zwei Mal mindestens 250 m am Stück – und das ist der schwierige Teil. Aber: geschafft!

Weitere Vorträge und Workshops im Kunstbereich geben mir viel Freude. Und so langsam fand ich im März dann auch wieder hinein in das tägliche Kunstschaffen: kleine Kletterhortensien-Arbeiten und eine große Elbflut-Arbeit beschäftigten mich jeden Tag.

Assemblage, Ein Tag am Strand, Ahrenshoop, Fundstücke

Im April wurde die fünfzigste Episode Atelier-Talk Podcast produziert. Ich hatte Frank Berzbach zu Gast, Autor von vielen großartigen Büchern, und wir sprachen insbesondere über das zum Thema Kreativität. Ein tolles, ein bereicherndes Gespräch. Auch im April fällten dann meine Podcast-Partnerin Nina und ich die Entscheidung, die Frequenz des Podcasts zu reduzieren – wöchentlich ist einfach auf die Dauer zu viel. Es war Entscheidung, die schwer fiel, uns dann aber doch sehr erleichterte.

Eine Reise nach Belgien im Mai war sehr bereichernd: in Galerien in Antwerpen, Brügge und Knokke gab es wirklich tolle Kunst zu sehen und ich kam mit neuer Energie zurück nach Hause.

Der Mai brachte dann auch beim Kunstschaffen viel: das große Werk „Elbflut II“, mit fast 2.500 Schneckenhäusern, die ich nach der großen Überflutung der Elbe gesammelt hatte, wurde fertig. Gleichzeitig begann ich kleine Arbeiten mit dem Titel „As Time goes by“ für die Ausstellung in den Beelitz-Heilstätten im Sommer. Und nicht zuletzt betrat ich, für mich sehr spannend, ein neues Gebiet: mit dem Beginn des ersten „NEST“ begann ich die für mich persönlichste Arbeit bisher an. Diese Nester werden mich sicherlich länger beschäftigen, nicht nur in diesem Jahr.

Strandgut, Sammlung für Ein Tag am Strand

Ich entstamme einer großen Familie, die Ende des 2. Weltkrieges aus Ostpreußen geflüchtet ist. Alle drei Jahre haben wir ein großes Familientreffen und es kommen viele Menschen zusammen – vor allem aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. In diesem Jahr war ich zuständig für die Orga und entschied mich, das Treffen in das wunderschöne und interessante Lüneburg zu legen, nicht zuletzt wegen des sehr sehenswerten Ostpreußenmuseums. Es hat mich viel Zeit und Energie gekostet, aber es hat sich gelohnt: im Juni fand das auf verschiedenen Ebenen bereichernde und super schöne Treffen statt, immerhin fast vier Tage…

Auch im Juni wurde die große Ausstellung in den Beelitz-Heilstätten, zusammen mit Frederik Poppe, zu 90% geplant und das großartige, bunte Event „Millerntor Gallery“ fand im Millerntor Stadion des FC St. Pauli in Hamburg statt. Ich war dabei mit mit meiner Jubiläumsarbeit „The Power of Art“!

Der Juli verging mit viel Kunstschaffen: die Vorbereitungen für die große Ausstellung in den Beelitz Heilstätten liefen auf Hochtouren, neue Werke mit Euro-Noten entstanden und kleine Beelitz-Heilstätten-Arbeiten sowie Entwürfe für Nest-Installationen. Außerdem gab es Auftragsarbeiten für Assemblagen, die unter anderem als Hochzeitsgeschenk gebraucht wurden. Wie ich es liebe, solche Arbeiten zu erstellen, die überraschen und Freude bereiten sollen – Hochzeitsassemblagen aus Reiskörnern.

Schwarze und weiße Reiskörner, festgenäht, Papier

Im August fand die große Ausstellung „Zeit – perspektivisch“ in den Beelitz Heilstätten statt, gemeinsam mit dem Siebdruck- und Decollage-Künstler Frederik Poppe. Das gesamte Erdgeschoss des historischen Badehauses wurde mit unserer Kunst bespielt. Ich war mit über 80 Werken dabei und das erste Mal auch mit zwei Installationen. Es war eine große Freude, ich war voll Dankbarkeit für diese großartige Möglichkeit! Die Vernissage war ein Traum – tolles Catering, Poetry-Slam von den „Kiez-Poeten“ zu unserer Kunst, perfekte Organisation und hunderte von Besuchern, tolle Gespräche, eine warme Sommernacht, einfach perfekt! Hier kannst du einen PoetrySlam-Beitrag zu meinem Werk „Beelitz-Heilstätten“ sehen.

Kurz danach war ich zum Künstler:innen-Frühstück eingeladen in die Atelier-Gemeinschaft „Vulkanfiber-Fabrik“ in Werder bei Berin, was ich sehr gerne angenommen habe.

Im August hat Nina dann aus persönlichen Gründen beschlossen, den Podcast zu verlassen, was sie auch sehr kurzfristig vollzog. So schade ich das auch fand, solch eine Veränderung bringt auch immer frischen Wind mit sich. So hat Atelier-Talk ein neues Episoden-Design bekommen, es gibt mehr Interviews und auch in Zukunft wird der Podcast sich weiterentwickeln

Der September begann mit einem ein völlig „un-künstlerisches“ Highlight: eine große, private Feier, Mitten im Zoo Hannover. Die Feier selbst war einfach nur großartig, aber auch der Gang quer durch den schlafenden Zoo in tiefer Nacht für mich ein echtes Erlebnis. Daran werde ich noch lange denken! Die documenta fifteen in Kassel war dann ein künstlerisches Highlight: trotz aller Skandale empfand ich dieses Kunstevent sehr anregendes und bereichernd.

Ende September fand mein persönliches Highlight dieses Monats statt: die Vernissage der Ausstellung „International Affairs“, an der ich teilnehmen durfte. Für mich war dies die erste Ausstellung, zu der ich angefragt wurde anstatt mich zu bewerben – das war für mich ein tolles Gefühl und ich genoss diese Ausstellung in den renommierten Rathenauhallen in Berlin! Auch im September habe ich dann eine meiner Herzensarbeiten verkauft: „Ein Tag am Strand – Ahrenshoop“ hat ein neues Zuhause gefunden. Ich bin sehr dankbar und freue mich, auch wenn, ganz erstaunlich für mich, tatsächlich auch so etwas wie Trennungsschmerz aufkam.

Assemblage, Ein Tag am Strand, Ahrenshoop, Fundstücke

Der Oktober brachte eine Kunst-Reise: den Besuch der Kunstbiennale in Venedig. Ich war noch nie dort gewesen, war voller Vorfreude und es hat dann all meine Erwartungen übertroffen und zwar in diverser Hinsicht. Insbesondere die Werke des Südkoreaners Chun Kwang Young haben mich tief berührt und begeistert.

Die Finissage von „International Affairs“ (vgl. September) fiel zusammen mit meinem Geburtstag und es hat Spaß gemacht, mit Künstler:innen, Familie und Freunden anzustoßen. Außerdem in diesem Monat: Der Podcast „Atelier-Talk“ wurde das erste Mal auf YouTube gezeigt. Insgesamt zwei Episoden mit der Künstlerin Lydia Rink sind nun auf ihrem Kanal zu sehen – und nicht nur zu hören, wie sonst.

Im November fand die Vernissage zur Ausstellung „Vom Wesen und Wandel“ statt, meine allererste Einzelausstellung statt. In der „Villa Blunk“ in Wriezen bei Berlin sind bis Mitte Januar fast 30 meiner Werke zu sehen. Am Tag der Eröffnung habe ich dann auch das Ehepaar kennengelernt, das im September „Ein Tag am Strand“ gekauft hatte. Ich bin über diesen persönlichen Kontakt mit meinen Kundinnen und Kunden so dankbar – so sehr ich mir die Zusammenarbeit mit einer Galerie auch wünsche, der persönliche Kontakt ist mit doch enorm wichtig.

Im November habe ich auch die Überarbeitung meiner Webseite zum größten Teil beendet. Abgeschlossen ist diese Überarbeitung zwar immer noch nicht, aber ich finde sie schon jetzt sehr gelungen und freue mich wirklich über diese Darstellung meiner Kunst im Netz.

Zum Jahresende kam ein sehr schöner Interview-Auftritt in der Zeitschrift „Holunderelfe“ heraus, über den ich mich sehr freue. Auch die Zusammenarbeit mit der Herausgeberin der Zeitschrift, Kristin Ritschel, war so warmherzig und wertschätzend – ein Geschenk. Die letzten Tage des Jahres verbringe ich wieder an der deutschen Ostseeküste mit viel Zeit zum Nachdenken und Sortieren. Was wird das neue Jahr bringen? 

Bereits jetzt kann ich mich auf einige Dinge in 2023 freuen: Noch im Dezember habe ich die Zusage bekommen für eine künstlerische Auszeit im Kloster Dornach in der Schweiz im kommenden Frühjahr. Und als Stipendiatin des Künstlerhaus Hooksiel darf ich mich auf einen Arbeitsaufenthalt im Spätsommer 2023 dort an der Nordsee freuen, samt Einzelausstellung. Eine weitere Zusage für eine Einzelausstellung habe ich vom Wälderhaus in Hamburg. Ich bin gespannt und freue mich auf alles. Der Dezember bringt auch wieder Besinnung, Rückblick und neue Planung. Dieses Jahr war so besonders für mich als frisch gebackene Vollzeitkünstlerin, ich habe viel zu durchdenken. Auch wie es weitergehen soll und vor allem was ich aus diesem Jahr gelernt habe.

Ausstellungsansicht historisches Badehaus Beelitz-Heilstätten

Während ich diesen Rückblick schreibe, genieße ich zurzeit das Buch „Über Menschen“ von Julie Zeh und bin so tief berührt und sehr begeistert von der wundervollen Schreibkraft dieser Frau, dass ich es hier empfehlen möchte. Das Glas Sekt genieße ich übrigens gerade mit zwei Werken von Tina Heuter, die ich für den Atelier-Talk Podcast interviewt habe und die mir in Ahrenshoop auf den letzten Metern des Jahres quasi über den Weg gelaufen sind.

Allen Leserinnen und Lesern, allen Interessentinnen und Interessenten, allen Käuferinnen und Käufern, allen, die mich auch in diesem Jahr begleitet haben -sei es von Anfang an oder sei es erst in der letzten Zeit für ein kleines Stück- ganz herzlichen Dank! Danke, für die Unterstützung und das Interesse, das gibt mir Freunde und Energie, es treibt mich an und nährt mich.

Ich wünsche Allen ein gutes, ein glückliches, ein möglichst gesundes 2023!

Herzlichst, Stephanie Hüllmann

Ausstellungsansicht historisches Badehaus Beelitz-Heilstätten

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